…wünsch ich mir kein Pfeilverlust, an Targets wie diesen hoff' ich ist mein Pfeil robust... (die geneigte Leserschaft möge hier gerne die Melodie des entsprechenden Liedes der Toten Hosen summen – und wird im Laufe des Berichts wissen, warum uns diese Zeilen in den Kopf gekommen sind).
Aber von vorne: Am Freitag machte sich die mittlerweile absolut bewährte Truppe aus acht Tassilos – namentlich die Hornys, die Pichlers, die Grunaus und die Suppenpointners – bereits zum vierten Mal auf den Weg zu einem 3D-Wochenende. Heuer ging es nicht wie die Jahre zuvor zum Breitenstein, sondern nach Stuhlfelden, Europas erstem und ältesten Bogendorf. Treffpunkt war am Freitag um 12 Uhr vor Ort im gebuchten Hotel. Wir waren alle gespannt, was uns erwartet, sowohl im Hotel als auch auf den Parcours, und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil.
Schon beim Check-in gab es fachkundige Tipps von der Hotelchefin zu den im Ort befindlichen Parcours und auch zu vielen weiteren in der näheren Umgebung, cool! Dann schnell die Klamotten auf die schönen Zimmer bringen und den Ersten in Angriff nehmen. Wir entscheiden uns am heißesten Tag des Jahres für den Feld- und Wiesenparcours des BSV Stuhlfelden mit wenig Schatten. Warum auch nicht? Wir sind ja nicht zum Spaß hier und so schlimm wird es schon nicht sein!
Schon der kurze Anstieg zum Einschießplatz lässt gleich mehrmals die Frage aufkommen, ob das bei der Hitze wirklich eine gute Idee war. Aber jetzt sind wir da, also auf geht’s. Und es geht wirklich (hin)auf und über Feld- und Wiesen. Der Parcours ist spannend gestellt und es bieten sich einige interessante Schüsse. Es ergab sich – da außer uns sonst keiner auf dem Parcours war – auch eine Gelegenheit für einen 100 Meter Schuss, den aber nur Manfred und Michi mit ihren Compoundbögen geschossen haben. Michi hat zwei Pfeile direkt nebeneinander, ganz kurz vor das Ziel gesetzt. Manfred hat nicht den Vogel, aber das Wildschwein abgeschossen! Mit einem Pfeil mitten ins Kill! Wir alle haben ihn das komplette Wochenende dafür gehuldigt und er darf sich ab sofort als zweiter Tassilo mit dem Titel „Robin Hood von Aschheim“ schmücken.
Nach 28 Zielen ging es dann nassgeschwitzt zurück ins Hotel, wo wir nach dem Duschen ein sehr leckeres 4 Gang Menü vertilgt und den Abend gemütlich haben ausklingen lassen.
Am Samstag früh dann auf zum Bergparcours des BSV Stuhlfelden. Der Hinweis des Hotels, dass man trittsicher sein sollte und es steile Passagen gibt (kleiner Exkurs: Die Region liegt an den Kitzbüheler Alpen, grenzt an die schroffen Gipfel des Nationalparks Hohe Tauern und Stuhlfelden hat den höchsten Grasberg Europas (den Gaisstein mit 2.363 Metern Höhe)), haben wir zur Kenntnis genommen.
Am Parkplatz hat uns ein schöner Einschießplatz erwartet, von den steilen Passagen war nichts zu sehen, noch nicht. Aber schon mit dem ersten Ziel hat uns das Gefühl beschlichen, dass das ein anspruchsvoller Tag werden könnte, und der wurde es dann auch. Schmale Aufstiege, noch schmalere Wege, die auf einer Seite steil abfallen, sehr anspruchsvolle Abstiege und herausfordernd gestellte Ziele mit wenig Platz am Abschußpflock.
Aber auch hier wieder viele kleine Details und bei dem Blick über die Waldwipfel bietet sich eine tolle Aussicht in die Berge. Auch ist man zweimal an einer schönen Labstation vorbeigekommen (einmal relativ zu Beginn und einmal am Ende). Als wir das erste Mal vorbeigekommen sind, saßen dort fünf andere Schützen. Wir waren aber noch tatkräftig genug und haben keine Pause eingelegt. Kurz vor Ende sind wir dann wieder dort vorbeigekommen, diesmal haben wir die Pause dringend benötigt und die fünf Jungs saßen immer noch lustig beisammen und hatten sich keinen Meter bewegt. Wie sich im Gespräch herausstellte waren, es alles Vereinsmitgleider des BSV Stuhlfelden. Als wir unsere Pause beendet hatten, haben wir unsere Köcher wieder angelegt, Bögen in die Hand.
Nun kommen wir zum Beginn des Berichts „An Targets wie diesen...“: In 20 Meter Entfernung zur Labstation und in direkter Blickrichtung dazu gibt es einen „Mutschuss“, einen auf eine Kunststoffscheibe aufgeschraubten Zahnkranz mit entsprechenden Aussparungen. Und die Tassilos wären nicht die Tassilos, wenn nicht wirklich jeder von uns einen Pfeil auf dieses Ziel geschossen hätte, um die Aussparungen zu treffen. Dies hat uns schon vor dem ersten Schuss den größten Respekt der Fünf eingebracht „Respekt, dass ihr das macht! Wir trauen uns das nicht!“ Also Aufstellung und Pfeile frei. Zwei Pfeile sind unter großen Gejohle und Applaus auf dem Zahnkranz aufgeschlagen und in mehrere Teile zerrissen, die anderen haben diesen Schuss – bis auf herausgeflogene Nocken – unbeschadet überstanden...ein hoch auf keinen Pfeilverlust und robuste Pfeile. Was ein Spaß!
Nach einer netten Verabschiedung haben wir dann die letzten der 32 Ziele hinter uns gebracht, im Hotel die mehr als notwendige Dusche genommen und dann auch diesen Abend bei sehr leckerem Essen gemütlich ausklingen lassen.
Bevor es am Sonntagnachmittag nach Hause ging, haben wir noch den Parcours des BSV Oberkrammern mitgenommen. Wie sich im Laufe des Tages immer mehr und immer wieder herausgestellt hat, ist dieser ein absolutes Highlight! Ein sehr schöner Einschießplatz, tolle Wegführung, nur einige steilere Auf- und Abstiege, die aber allesamt gut zu bewältigen waren. Die meiste Zeit waren wir in einem wunderschönen Wald unterwegs, mit abwechslungsreichen Entfernungen, spannenden Ziele, einer sensationelle Labstation, die man so sicherlich kein zweites Mal findet und die auch als Wochenend-Domizil dienen könnte. Kurze Wege zwischen den Zielen, ein butterweicher Waldboden, auf dem man mehr schwebt als geht und an vielen Stellen kleine, lustige Gimmicks, so dass wir aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen sind. So einen detaillierten und liebevoll gestalteten Parcours haben wir bisher nicht gesehen. Echt klasse und damit für mich auf Platz 1 des Wochenendes und auch insgesamt ganz vorne dabei.
Eine kleine Schrecksekunde gab es aber dann doch noch. Klaus und Vroni haben versucht, einen Pfeil aus einem Tier zu ziehen, der wirklich fest gesteckt hat und sich fast nicht bewegen wollte. Nur mit großer Mühe und Kraft gelang es, diesen zu ziehen, leider war die Beinposition von Klaus dabei nicht ganz so ideal, so dass er sich die Nocke mit voller Wucht in den Oberschenkel gerammt hat. Ergebnis: eine kleine, aber fies tiefe Wunde, die noch an Ort und Stelle fachgerecht versorgt wurde. Merke: „Das gefährliche Ende eines Pfeils befindet sich hinten!“.
Zum Glück hat Klaus dies nicht daran gehindert, die restlichen der 28 Ziele zu Ende zu bringen. Am Parkplatz dann noch die Bögen abbauen, gemeinsam abdehnen (nicht vergessen!) und dann ging es ab nach Hause.
Und das Fazit des Wochenendes? Das Hotel und die Parcours top! Der Wettergott war uns zum wiederholten Male mehr als gnädig gesonnen. Dem großen Pfeilgott wurden, neben dem Mutschuss, an den drei Tagen einige weitere Pfeile geopfert, damit er auch weiterhin gut auf uns zu sprechen ist. Der Spaß in der Truppe kam auch dieses mal definitiv nicht zu kurz! Wir wissen heute schon, dass wir im nächsten Jahr wieder in dieser Konstellation unterwegs sein werden - mal schauen wo es uns dann hin verschlägt.
(DS – 22.06.2026)
